10 Bartschneider im Test 2022

Für stilvoll gepflegtes Barthaar

25. März 2022

Die Geschichte des Barthaars ist ausgesprochen vielgestaltig: Während die volle Glattrasur von den 1900ern bis in die 1950er hinein wieder in allen sozialen Sphären vorherrschend war und als Ausdruck von Verlässlichkeit, Vitalität und allerlei anderen wertvollen Merkmalen verstanden wurde, wandelte sich all dies in den 1960ern durch die Countercultures der Beatniks und der Hippies: Mit ihnen wurde pralles, properes Barthaar zum äußerlich erkennbaren Ausdruck eines soziopolitische Konventionen ablehnenden Willens und dadurch zu sehr viel mehr als nur einem das Äußere abrunden sollenden Accessoire. Mittlerweile aber verhält es sich anders: Männer haben das Barthaar nun vor allem zur den Anblick arrondierenden Größe der Ästhetik werden lassen. Tatsächlich ist es erstaunlich, was viele Menschen so alles aus dem Wachsenlassen des Barthaars ableiten wollen: So sehen sie Männer, die ihr Barthaar sprießen lassen, nicht als anziehender an, wobei bspw. Charles Darwin in den 1870ern noch anderes annahm. Aber: Viele Menschen ordnen Männer, die ansehnliches Barthaar vorweisen können, einem höheren sozioökonomischen Status zu.1 Will man sein Barthaar aber ansprechend wirken lassen, so muss man sich dasselbe immer wieder vornehmen: Vor allem durch das Waschen und Schneiden des imponierende 2,1 bis 3,5 Millimeter pro Woche wachsen könnenden Haars.2 Wer sich durch stilvolles, dem Maße nach immer einheitliches Barthaar auszeichnen will, der muss also passendes Equipment in die Hände nehmen: Einen modernen Bartschneider! Wir haben dieses Mal die Qualität von 10 verschiedenen Bartschneidern von Beurer, Braun, Carrera, Fakir, KOENIC, Panasonic, Philips, REMINGTON und Sichler (€min – €max: 14,23–76,52 €) ermittelt und erhoben währenddessen auch alles wirklich Wesentliche über die Ausdauer des Akkumulators, das Maß des Schallausstoßes usw.

Gewiss: Wer den vollends cleanen Stil einer Glattrasur vorziehen sollte, der kann auch einen klassisch-konventionellen Rasierer verwenden, um das Barthaar immer wieder in vollem Maße abzukappen. Ein anspruchsvoller Bartstil wie bspw. ein Van Dyke, ein Verdi o. Ä. aber lässt sich nur mit einem der uns hier allein interessierenden Bartschneider verwirklichen: Will man das nie vollends einheitlich wachsende Barthaar anschaulich erscheinen lassen, so muss man es ein- oder mehrmals pro Woche durchs präzise Abschneiden der in einem zu ausnehmenden Maße empor schießenden Haare vereinheitlichen. Wonach aber sollte man einen neu ins Haus zu holenden Bartschneider auswählen? Die Ansprüche, die ein Modell hier abdecken muss, sind nicht nur von den Modalitäten des Bartschnitts, sondern auch und vor allem von den Merkmalen des abzuschneidenden Barthaars abhängig.3 Das Problem: Hersteller versprechen hier, wie auch in allen anderen Sphären, so allerlei. Wie valide diese Versprechen aber wirklich sind, kann man im Vorhinein nur schwerlich kontrollieren. Daher haben wir die einleitend angesprochenen Bartschneider, die einen repräsentativen Ausschnitt aus der aktuell erhältlichen Modellspanne darstellen, in den letzten drei Monaten von 12 Testern verwenden lassen und stellen im Weiteren unsere Urteile über die unterschiedlichen Stärken und Schwächen aller Bartschneider dar.

Wesentliches

Für wen?
Für all diejenigen Männer, die ein von außen vollkommen makellos wirkendes, vor allem also keinerlei Wildwuchs erkennen lassendes Barthaar erreichen wollen und ihren Bart daher regelmäßig pflegen müssen.

Was ist hervorzuheben?
Manche Modelle wie bspw. der ER-GB62-H von Panasonic (s. S. 56) lassen sich ausweislich der Hinweise des Herstellers auch verwenden, um das in den Achseln, an den Schultern und anderswo sprießende Körperhaar in einer schnellen, simplen und vor allem sicheren Weise abzukappen.

Was ist interessant?
Wie rapide sich das übers erwünschte Maß hinaus wachsende Barthaar abschneiden lässt, ist von verschiedenerlei Merkmalen des Haars und des Haarwuchses sowie von der Qualität des Schneidwerks des Modells abhängig.

Bartschneider – Technik im Detail

Alle Modelle schneiden das Haar mit einem linear hin und her schnellenden Messerbalken ab. Diese Messerbalken können verschiedene Maße haben, von denen schließlich abhängig ist, wie viele Haare sie mit einem Mal des Voranschiebens kappen können. Wirklich ausladend ist der Messerbalken bspw. bei einem der Modelle von Panasonic (Bmax: 39 Millimeter, s. S. 56), wodurch man das Schneiden des Haars schneller abschließen kann. Das Modell von Philips (Bmax mit Trimmer: 10 Millimeter, s. S. 57) wiederum lässt sich ersprießlicher verwenden, wann immer man sich anspruchsvollerer Areale wie bspw. des äußeren, von den Ohren he rab weisenden Haars präzise und punktuell annehmen muss. Den Motor, der den Messerbalken hin und her eilen lässt, kann man bei vielen Modellen durch eine Taste A an- und wieder ausschalten. Andere Modelle wie bspw. das von Fakir (s. S. 61) haben hier einen hoch und herab schiebbaren Slider.

Viele Modelle wollen den Händen durch das sie von außen vereinnahmende Material oder aber durch ins Material hinein reichende Mulden Grip vermitteln: Schließlich sollen sie sich vor allem dann, wenn man sich anspruchsvolleren Arbeiten wie bspw. dem Schneiden der Konturen widmen muss, starr und stabil in der Hand halten. Sie müssen derweil aber noch so viel Spiel erlauben, dass man sie hin und her wenden kann, wann immer man das Haar aus verschiedenen Winkeln anvisieren muss. Wirksam sind hier Materialrippen B, wie sie bspw. die Modelle von Panasonic (s. S. 55 & 56) vorweisen können.

Alle Modelle kommen schon von Werk aus mit Kämmen C, welche die Messer nach oben hin abschließen, sich in der Mechanik sichern, hoch und herab sliden lassen und die Messer während des Voranschiebens schließlich in einem Abstand von mehreren Millimetern hin zum Gewebe des Gesichts halten sollen. So stellen sie sicher, dass nur solche Haare in die andauernd hin und her schnellenden Messer des Modells hinein reichen können, die von einem noch ausnehmenderen Maß sind: Dadurch kann das Haar schließlich vollkommen einheitlich erscheinen. Manche Modelle wie bspw. das von Panasonic (s. S. 55) können hier eine imponierende Spanne von 1 – 30 Millimetern verwirklichen und sind daher so versatil, dass man sie in allen Momenten des Bartwuchses – bis hin zum voluminösen Full Beard – ersprießlich verwenden kann. Was der ein oder andere auch willkommen heißen wird: Ein paar Modelle wie bspw. das von Sichler (s. S. 62) kommen mit einem solch pompösen Zubehörpack, dass man mit ihnen auch Nasen- und Ohrenhaar kappen kann.

Wie man das Maß des Barthaars, das man verwirklichen will, einstellen kann, ist immer von der Mechanik des Modells abhängig: Viele von ihnen können ein sich nach außen hin wölbendes Drehrad D vorweisen, das die wählbaren Millimeter in Schwarz oder Weiß erkennen lässt und das man hin und her drehen kann, um so einen der schon hiervor angesprochenen Kämme hoch oder herab zu schieben. Andere Modelle aber wie bspw. das von REMINGTON (s. S. 58) haben anstelle eines solchen Mechanismus bloß eine Handvoll verschiedener Kämme, die einzeln immer nur ein und denselben Abstand wahren können.

Wesentlich außerdem: Alle Modelle haben einen sich immer wieder neu mit Strom versehen lassenden Akkumulator als Stromreservoir und speisen aus ihm den Motor, der die Messer hin und her schnellen lässt. Dadurch dass man die Modelle während des Abschneidens von Haar nicht ans Stromnetzwerk des Hauses anschließen muss, ist der mit ihnen zu verwirklichende Aktionskreis endlos: Man kann das Haar daher aus allen nur vorstellbaren Winkeln erreichen, sodass die Qualität des Handhabens vor allem von dem Gewicht und der Größe eines Modells abhängig ist. Die Ausdauer der hier vorhandenen Akkumulatoren ist bei manchen Modellen – wie bspw. bei dem von Philips (s. S. 57) – aber sehr viel ansehnlicher als bei anderen – wie bspw. bei dem von Fakir (s. S. 61). Hier sind leider auch noch Akkumulatoren mit Nickel-Metallhydrid-Technik vertreten, wie bspw. im Modell von Sichler (Q: 600 mAh, s. S. 62): Das ist, weil solche Akkumulatoren immer mehr verschleißen und dadurch ihr ursprüngliches noch voll vorhandenes Maß an Ausdauer verlieren können, verdrießlich.

Was verwunderlich ist: Nur ein paar Modelle wie bspw. das von Beurer & das von Carrera (s. S. 60 & S. 59) stellen den aktuellen Stand des Stromreservoirs während des Schneidens dar – präzis von 0–100 % oder in Spannen von 33,3 % E. Anhand dessen kann man mit einem Mal erkennen, wann man das Modell voraussichtlich wieder mit Strom speisen muss.

Wertvoll ist auch das Mineralöl, das viele Modelle schon von Werk aus in ihren Zubehörensembles haben: Mit ihm sollte man die Messer von außen her einmal im Monat versehen, um so sicherzustellen, dass sie vollkommen smooth, also ohne einen in der Mechanik wurzelnden Widerstand, hin und her schnellen und das Haar mit einem Mal abschneiden können. Wir vermissten ein solches Öl allein bei dem Modell von Philips (s. S. 57).

Getestete Produkte

    • Beurer HR 4000
    • Braun BT 7240
    • Carrera No 623
    • Fakir STUBBY
    • KOENIC KBT 40520
    • Panasonic ER-GB62-H
    • Panasonic ER-GB96-K
    • Philips BT5515/15
    • REMINGTON T-Series MB7050
    • Sichler 6in1-Akku-Trimmer-Set

Fußnoten

 

1 Vgl. Dixson, B. & Vasey, P.: Beards augment perceptions of men’s age, social status, and aggressiveness, but not attractiveness. In: Behavioral Ecology, Vol. 23 (2012): S. 481–490. 10.1093.

2 Die Wachstumsgeschwindigkeit ist aber auch von der Pigmentierung des Haars abhängig: So wächst bspw. weißes Haar doppelt so schnell wie schwarzes Haar (1,1 versus 0,5 Millimeter pro Tag), vgl. Nagl, W.: Different growth rates of pigmented and white hair in the beard: differentiation vs. proliferation? In: The British Journal of Dermatology, Vol. 132, 1 (1995): S. 94–97.

3 Vgl. Maurer, M. et al.: The male beard hair and facial skin – challenges for shaving. In: International Journal of Cosmetic Science, Vol. 38, 1 (2016): S. 3–9.

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