Rückgang der Bienenpopulation

14. September 2016

Die Biene ist ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft. Ohne sie würden die Speisepläne weniger abwechslungsreich aussehen. Kartoffeln, Weizen, Erdbeeren und Äpfel brauchen vorherige Bestäubung. Doch der Wildbienenbestand geht immer weiter zurück.

Wildbienen-Bestand seit 1994 rückläufig

265 Milliarden Euro. Das ist in etwa die geschätzte wirtschaftliche Leistung der Biene. Seit Jahren gehen die Bestände der Wildbienen immer weiter zurück. Doch den Forschern bietet sich kein klares Bild der Gründe des Sterbens. Nun hat sich erneut ein Forscher-Team des Centre for Ecology and Hydrology die Pestizide als Auslöser angeschaut. Genauer schauten sie sich eine relativ neue Art dieser an. Neonikotinoide werden seit 2002 in Großbritannien hauptsächlich für Raps eingesetzt. Genau ab diesem Zeitpunkt schwanden die Wildbienenarten um etwa 13 %. Bei einigen Spezies gar um ein Drittel. Das Team um Woodcock analysierte demnach Zahlen zur Population zu Wildbienenarten zwischen 1994 und 2011. Dazu nahmen sie Daten von 62 Bienenarten, die zum Vorkommen besonders verlässlich seien. Neonikotinoide sollen das Nervensystem der Insekten stören. In der Folge kann es zu Muskellähmung und demnach zum Tod kommen. Bei Läusen sei dieser Effekt erwünscht, bei Insekten wie der Biene jedoch nicht.

Industrie weist Kritik zurück

Die Forschungsergebnisse stoßen bei der Industrie auf Kritik. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Neonikotinoide und dem Vorkommen der Biene. Eine Reihe von Studien sollen diese These stützen. Das Forschungsteam beruft sich jedoch darauf, dass sie nichts anderes behaupten würden und direkte Zusammenhänge nur im Labor gezogen werden könnten. Tatsächlich gebe es weitere Faktoren, die auf die Bestände der Biene Einfluss nehmen. So stehen unter anderem ausgeprägte Monokulturen, die Verarmung der Landschaften und grassierende Krankheiten, übertragen durch die Varroa-Milbe ebenfalls in Verdacht der Biene das Leben zu erschweren.

Lösungsansätze variieren

Inzwischen gibt es Lösungsansätze zur Bestäubung, welche den Bienen aber wenig zuträglich sind. In den USA werden beispielsweise ganze Bienenvölker zur Bestäubung per LKW auf das Feld gebracht. Auch in Europa ist es möglich Hummeln im Netz zu bestellen. Die wachsenden Zahlen der Gewächshäuser trägt zu dieser Art der Bestäubung bei. Ebenfalls wurde 2013 eine Roboter-Biene an der Harvard-Universität vorgestellt, die in geschützter Umgebung, wie Gewächshäusern, die Arbeit der Honigbiene übernehmen könnte.
Umweltschützer und Organisationen fordern, auf biologischen Anbau umzustellen und Pestizide komplett zu verbieten. Nur damit sei den Völkern der Biene geholfen. Das Umweltbundesamt hingegen will den Einsatz minimieren. Ein komplettes Verbot solle nur zu einem Mehrverbrauch anderer Spritzmittel führen.

Quelle: heise.de / Technology Review
Bildquelle: andibreit/pixabay