Wissenswertes rund ums Wiederverwerten

Welche Kaffeekapseln sind am ressourcenschonendsten?

25. Februar 2022

Viele Menschen lieben die Simplizität von Kapselmaschinen: Man muss schließlich nur Wasser in den Tank kippen, eine zum aktuellen Aromenanspruch passende Kapsel in den sie voll vereinnahmenden Schacht purzeln lassen und eine Taste drücken – schon macht sich das Modell ans Werk und stellt in nur ein paar Momenten das Getränk der Wahl her. Vom italienischen Klassiker in Gestalt des auch hier vielen Menschen als Wachmacher dienenden Espressos bis hin zum edel-erlesenen, Milch oder Milchalternativen einschließenden Latte macchiato ist alles vorstellbar; mit mancherlei Maschinen kann man auch in den Genuss von Tees oder heißer Schokolade kommen. Kapselmaschinen bieten also ein ausnehmendes Spektrum an Spezialitäten im Verbund mit einem außerordentlichen Maß an Annehmlichkeiten und sind außerdem – vor allem im Verhältnis zu den monumentalen Vollautomaten – eher niedrigpreisig, sodass viele Menschen den Erwerb ohne Weiteres schultern können. Dennoch haben Kapselmaschinen ein schlechtes Renommee: Sie zu verwenden sei, so hält man es immer wieder vor, alles andere als ressourcenschonend, weshalb man schon um der Natur willen doch lieber andere Maschinen heranziehen sollte.

Kaffeekapseln aus Aluminium

Derlei Kommentare haben auch einen durchaus wahren Kern: Sie wurzeln vor allem darin, dass jedes einzelne Getränk eine volle Kapsel verbraucht, die anschließend in den Müll wandern muss. Das Verwenden einer Kapselmaschine ist daher mit einem sehr hohen Materialverbrauch verbunden und mündet letzten Endes in kolossale Massen an Müll: Im Jahre 2019 wurden bspw. allein in der Bundesrepublik Deutschland 3,4 Milliarden Kapseln verbraucht. Dies äußerte sich in Müll mit einem massiven Gewicht von mehr als 13.500 Tonnen.1 Eine Kapsel besteht regelmäßig zu einem erheblichen Teil aus Aluminium und Plastik – Materialien, deren Produktion schon von vornherein ressourcenintensiv ist und die im Verbund miteinander außerdem nur sehr schwer wiederzuverwerten sind. Hinzu kommt, dass eine Kapsel auch nach dem Abschluss des Brühens immer noch mehrere Gramm Pulver enthalten kann und daher nach den hier wesentlichen Normen u. a. des VerpackG sich nicht wie anderes, vollkommen leeres Verpackungsmaterial einordnen lässt.2 Konkret heißt dies: Kapseln müssen regelmäßig in den Restmüll wandern, um anschließend verbrannt zu werden. Die Gelbe Tonne resp. der Gelbe Sack ist ihnen, sollte man das Pulver vorab nicht bspw. auswaschen, also an sich verschlossen.

Dass dies verdrießlich ist, wissen auch die Hersteller: Viele von ihnen zahlen daher, um ihre Kapseln am Dualen System partizipieren zu lassen, sodass diese dennoch in den Gelben Sack resp. in die Gelbe Tonne kommen können. Ob dies bei einzelnen Kapseln so ist, lässt sich regelmäßig anhand einer sich schon von außen abhebenden Graphik wie bspw. der des Grünen Punktes erkennen. Dass den Herstellern dies erlaubt wird, ist vor allem dadurch zu erklären, dass das in einer verwendeten Kapsel noch enthaltene Pulver während der verschiedenen Phasen des Wiederverwertens der anderen Materialien kein wirkliches Hindernis darstellt.

Leider aber arbeitet dieses System nicht immer so smooth, wie man es sich vielleicht wünschen wird: So ist es schließlich von vornherein Sache der Verbraucherinnen und Verbraucher, die von ihnen verwendeten Kapseln auch wirklich in den Gelben Sack resp. in die Gelbe Tonne zu schmeißen, wenn dies denn erlaubt sein sollte. Wandern sie aber in den Restmüll, so werden sie letzten Endes nur verbrannt. Hierzu kann es aber, was den ein oder anderen sicherlich verwundern wird, auch kommen, wenn die Kapseln doch bis in den Gelben Sack resp. in die Gelbe Tonne kamen: Nur circa 50 – 60 % des Mülls wird am Ende wirklich recycelt.3 Ein weiteres Problem: Das aus dem Wiederverwerten von Kapseln stammende Material ist regelmäßig nicht von einer solch erlesenen Qualität wie vollkommen neues Aluminium, Plastik usw. Das heißt, dass man es auch nicht so variabel verwenden kann (Downcycling). Kapseln in den Gelben Sack resp. in die Gelbe Tonne zu schmeißen, ist also mit mancherlei Vorteilen verbunden, alles in allem aber nicht so wirksam, wie man es sich wünschen würde. Aber ein abschließendes Wort noch zum Wiederverwerten der Kapseln: Dieses spielt auch noch in anderer Hinsicht eine Rolle. Manche Hersteller verwenden zur Produktion ihrer Kapseln oder auch ihrer Kapselmaschinen nämlich nicht ausschließlich neue Materialien, sondern immerhin in Anteilen auch solche, die vorher schon recycelt worden sind. Dies verbessert auch den Carbon Footprint der hier interessierenden Waren nochmals.

Biologisch abbaubare Kaffeekapseln

Kapseln aus solchen Materialien können die Umwelt also in erheblichem Maße belasten. Dass die Hersteller sich des hierin zu sehenden Problems bspw. durch die Wahl anderer Materialien annehmen wollen, ist daher auch vollkommen verständlich: Verwendet man solche Materialien, die sich ersprießlicher verwerten lassen als Aluminium und Plastik, sollte das Volumen des Mülls allein nicht mehr wesentlich sein, wenn sich dieser Müll letzten Endes auch wirklich voll recyceln lassen sollte. Tatsächlich sind am Markt schon so mancherlei Kapseln erhältlich, deren Hersteller sie ausdrücklich mit Merkmalen wie „biologisch abbaubar“ bewerben. Dies liest sich durchaus verlockend, wird dadurch doch Eines vermittelt: Dass man die Kapseln nach dem Verwenden nur in den Biomüll schmeißen müsse, wo sie sich endlich voll abbauen würden. Oder?

Nun, hier sind wieder andere Probleme auszumachen: Die von manchen Herstellern in solchen Kapseln verwendeten Materialien lassen sich zwar dem hier inhaltlich wesentlichen, mittlerweile schon mehr als 20 Jahre alten DIN 13432- resp. EN 13432-Standard subsumieren, sodass die Hersteller sie als „biologisch abbaubar“ anpreisen können. Leider aber sind viele dieser Materialien eben doch nicht voll kompostierbar: Für den DIN 13432- resp. EN 13432-Standard ist es schließlich schon ausreichend, dass sich das Material innerhalb von drei Monaten in einem solchen Maße abbaut, dass am Ende nicht einmal mehr als 10 % der ursprünglichen Masse vorhanden sind. Hierzulande aber verbleibt Müll regelmäßig keine drei vollen Monate in den Kompostierwerken. Warum? Weil sich ein Großteil des anderen, parallel in die Kompostierwerke kommenden Mülls wie bspw. von Gemüse, Fleisch, Fisch usw. sehr viel schneller kompostieren lässt. Daher sollten solche Materialien ausdrücklich nicht in den Biomüll wandern.4 Ansonsten müssen die hier verantwortlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der Kompostierwerke sie einzeln aussortieren, um sie schließlich zu verbrennen. Also: Kapseln aus solchen Materialien, die nur nach dem hiervor angesprochenen Maßstab „biologisch abbaubar“ sind, erlauben es leider auch nicht, der mit dem Verwenden von Kapseln und Kapselmaschinen verbundenen Massen an Müll Herr zu werden.

Kaffeekapseln aus Edelstahl („Mehrwegkapseln“)

Von vornherein voll abbaubar sind aber klassisch-konventionelle Filter und auch Pads, die daher ohne Weiteres in den Biomüll wandern können. Wenn man indes eine Kapselmaschine anstelle einer Padmaschine erwerben will oder schon eine solche im Haus haben sollte, kann man das Volumen an nicht voll abbaubarem Müll auch in einer anderen, ersprießlichen Weise vermindern: Wir sprechen hier von wiederverwendbaren Kapseln. Diese bestehen regelmäßig aus Edelstahl und sind wie die nur einmal verwendbaren Kapseln in die Maschine hineinzuschieben. Nach Abschluss des Brühens kann man sie aber wieder aus der Maschine herausnehmen und mit neuem Pulver versehen: Das ist wunderbar, kommt es so doch zu keinerlei (!) Müll. Was den ein oder anderen aber verdrießen wird: Dass das Füllen der Kapsel immer mit einem Mehr an Arbeit verbunden ist – und dies bei einer Kapselmaschine, die sich doch durch das schnelle und simple Herstellen verschiedener Wachmacher auszeichnen soll! Nach einer Handvoll Malen ist der Akt des Füllens aber schon in einem solchen Maße verinnerlicht, dass er sich innerhalb von nicht einmal mehr einer Minute voll abwickeln lässt. Das werden viele Menschen noch verschmerzen können. Doch ehe man nun zu euphorisch wird: Derlei Kapseln, die sich viele Male wiederverwenden lassen, sind leider nicht mit allen Kapselsystemen kompatibel! Für Nespresso und Cafissimo bspw. kann man solche Kapseln erwerben. Hervorzuheben ist schließlich aber noch ein anderes Risiko: Wenn und weil viele dieser Kapseln nicht von den Herstellern der Kapselmaschinen autorisiert worden sind, können durchs Verwenden dieser Kapseln Garantieansprüche erlöschen, eben weil sich aus der Warte der Hersteller nicht ausschließen lasse, dass ein eventueller Schaden durch die Kapseln verursacht worden ist. Freilich werden diese Kapseln von deren Herstellern so konstruiert, dass sie in die Maschinen voll hineinpassen und es daher von vornherein zu keinen Schäden an der Mechanik der Maschinen kommen sollte. Weil sich die Hersteller der Maschinen dessen aber nie sicher sein können, wollen sie sich hier vor eventuellen Ansprüchen schirmen. Ob man das Risiko, im Falle eines Schadens an der Maschine letzten Endes ohne Ansprüche dazustehen, hinnehmen will? Das ist, wie so vieles anderes auch, von einer individuellen Abwägung des Für und Wider abhängig zu machen. Festzuhalten ist aber, dass sich eine Kapselmaschine dann am ressourcenschonendsten verwenden lässt, wenn man sie nur mit „Mehrwegkapseln“ versieht.

Kaffeekapselmaschinen im Test 2022

An eine qualitative Kapselmaschine stellt man so mancherlei Ansprüche: Sie sollte sich von vornherein simpel verwenden lassen, nach dem Anschalten schnell heiß sein und vor allem – das ist schließlich das Wesentliche – Kaffee, Espresso und Co. von allerhöchster Qualität zubereiten können. Wir haben nun ermitteln wollen, welches der aktuell am Markt erhältlichen Modelle durch pralle Qualität verlocken kann und hatten daher sechs Kapselmaschinen im Testlabor: Wir stellen in unserem Kapselmaschinen-Test dar, wodurch sich die einzelnen Modelle wirklich auszuzeichnen verstehen. So viel sei hier aber schon einmal verraten: Die meisten Modelle lassen sich auch mit Kapseln verwenden, die in weitem Maße recycelbar sind. Obendrein haben wir uns auch noch eine moderne Padmaschine – die CSA210/60 von Philips Senseo – vornehmen können. Dieses Modell stellt mit seinen voll abbaubaren Pads natürlich eine aus Gründen der Waste Minimization vorzuziehende Alternative dar. Ob aus diesen Pads aber auch wirklich ansprechende Getränke werden können? Wir haben es erhoben!

Fußnoten

1„Nach Berechnungen der DUH verbrauchten die Deutschen in 2019 insgesamt 3,4 Milliarden Kaffeekapseln – ein Müllberg von 13.500 Tonnen Aluminium-, Plastik- und Papierabfällen“, vgl. Deutsche Umwelthilfe e. V. (hier).

2Vgl. § 3 Abs. 1 VerpackG i. V. m. Anlage 1 zum VerpackG.

3Im Jahre 2015 war die Quote mit 54,4 % auch nicht imponierend, vgl. DIE ZEIT (hier).

4„Verpackungen oder Einwegprodukte aus abbaubaren Kunststoffen […] gehören nicht in die Bioabfallsammlung“, vgl. Bundesumweltamt (hier).

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