Mautregelungen im Überblick

22. Juni 2016

Die Mautregelungen in Europa sind je nach Land sehr unterschiedlich und entsprechend unübersichtlich. Besonders wenn man auf dem Weg in den Urlaub durch mehrere Länder fahren muss, zahlt es sich aus, Bescheid zu wissen, um nicht unnötig viel zahlen zu müssen.

Vignette, Sondermaut und Co.

In neun Ländern der EU gibt es mittlerweile eine streckenbezogene Maut (Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Polen, Portugal und Spanien) sowie in den Nicht-EU-Ländern Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Norwegen, Serbien, Türkei und Weißrussland. Die Regelungen diesbezüglich sind jedoch je nach Land sehr unterschiedlich. So ist nicht unbedingt immer die komplette Strecke mautpflichtig und auch die Bezahlung muss je nach Land beim Ein- oder Ausfahren bezahlt werden. Via Vignetten regeln die Maut hingegen Bulgarien, Österreich, Rumänien, die Schweiz, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Teilweise kann hier je nach Dauer die entsprechende Vignette gewählt werden. Eine Sondermaut gibt es in einigen Ländern außerdem für Brücken, Tunnel und Pässe, so etwa in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Dänemark und Schweden.

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Quelle: ADAC

Viele unübersichtliche Sonderregelungen

Vor allem die gänzlich unterschiedlichen Mautregelungen je nach Land sorgen immer wieder für Ärger bei Touristen. So ist es etwa in England (London), Irland (Dublin) und in Italien (nördlich von Mailand) mittlerweile üblich, sich vorher digital für die Maut zu registrieren. Was eigentlich eine Erleichterung sein soll, sorgt bei Touristen oft für Ärger, denn das System ist ihnen meist gänzlich unbekannt. Auch in Frankreich, Italien und Spanien kann es an Mautstellen häufig zu Unannehmlichkeiten für Touristen kommen. Viele Stellen sind hier nicht mehr mit Personal ausgestattet und auch eine Zahlung mit Bargeld ist hier häufig nicht mehr möglich. Wer keine Kreditkarte dabei hat, muss erst via Hilfeknopf nach dem Personal rufen, um die Situation zu klären. Um derartigen Stress zu vermeiden, hilft es nur, sich vorab über die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Länder zu informieren.

Frankreich
Im EM-Land Frankreich ist vor allem bei hohen Fahrzeugen Vorsicht geboten. Die Maut wird hier nämlich anhand von Gewicht und Höhe der zahlungspflichtigen Fahrzeuge eingeteilt. Feste Aufbauten zählen dabei mit, während Antennen und Dachboxen hiervon ausgenommen sind. Aus diesem Grund kann es vor allem an unbemannten Stationen häufig zu Fehlmessungen kommen. Im Zweifel sollte daher immer das Personal gerufen werden. Wer es gerade eilig hat, kann eine falsche Messung jedoch auch im Nachhinein reklamieren. Hierfür unbedingt die Quittung aufbewahren und diese mit einer Kopie des Fahrzeugscheins einreichen.

Italien
In Italien sorgen technische Defekte häufig für eine vermeintliche Freude bei Autofahrern. Die Schranken öffnen sich hier nämlich häufig, obwohl noch gar keine Maut entrichtet wurde. Obwohl es verlockend ist, sollte hier jedoch niemals einfach so durchgefahren werden. Sicherheitshalber kann via Hilfeknopf ein Beleg angefordert werden. So kann man im Zweifel die Gebühr auch nachzahlen.

Polen
In Polen gilt eine besondere Regelung für Fahrzeuggespanne über 3,5 Tonnen. Diese zahlen nämlich auch auf Schnell- und Bundesstraßen Maut. Zur Festhaltung der Strecke wird ein Transponder verwendet. Wird der Anhänger auf einem Campingplatz abgestellt, sollte unbedingt daran gedacht werden, den Transponder für diese Zeit abzuschalten. Ansonsten zahlt man die Maut auch für den eigentlich nicht mautpflichtigen einfachen Pkw.

Stress an Mautstationen vermeiden

Wer aus Deutschland kommt und daher eher selten mit Mautstationen in Berührung kommt, sollte sich ein paar Dinge zu Herzen nehmen, um Stress mögichst zu vermeiden. So sollte sich unbedingt immer richtig eingeordnet werden. Die Lkw-Spur ist demnach auch tabu, wenn überall anders Stau ist. Geld und Kreditkarte sowie das Ticket beim Verlassen der Autobahn sollten immer schnell erreichbar und bereit gehalten werden. Bei Unsicherheiten sollte immer ein Schalter gewählt werden, der mit Personal besetzt ist. Wer versehentlich in eine Mautstation gerät oder etwa nicht genügend Geld dabei hat, kann im übrigen nicht einfach wenden oder rückwärts fahren, denn an Mautstellen gelten die gleichen Regeln wie auf der Autobahn. Lässt es sich doch einmal nicht vermeiden, unbedingt immer dem Personal Bescheid geben und deren Anweisungen folgen.

Portugal
Wer in Portugal unterwegs ist, benötigt für die meisten Strecken ebenfalls einen elektronischen Transponder. Wer diesen nicht besitzt, hat auch die Möglichkeit, über Speicherung des Kennzeichens zu zahlen. Gezahlt werden kann hierbei jedoch erst 48 Stunden nach der mautpflichtigen Fahrt. Das führt vor allem bei Touristen, die zeitig ab- oder weiterreisen wollen zu Problemen. Wer einen Mietwagen bucht, sollte daher unbedingt darauf achten, dass dieser mit einem Transponder ausgestattet ist.

Slowenien
Vielen Touristen ist es in Slowenien oft ein Rätsel, in welche Kategorie ihr Fahrzeug fällt. Hierüber sollte sich im Voraus jedoch ausgiebig informiert werden. Unabhängig davon, ob man für eine falsche Vignette zu viel oder zu wenig bezahlt hat, droht in so einem Fall nämlich ein Bußgeld.

Ungarn
In Ungarn gibt es die elektronische Vignette e-Matrica. Fehler bei der Registrierung sind hier keine Seltenheit. Sämtliche Angaben – vor allem das Kennzeichen – sollten daher vor der Unterschrift geprüft werden. Nachträgliche Änderungen kosten grundsätzlich 5 Euro. Und auch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Schleicht sich unbemerkt ein Fehler ein, kostet dies 50 Euro. Wird die Nachzahlfrist versäumt, werden sogar 200 Euro fällig. Der Kontrollabschnitt sollte auch unbedingt zwei Jahre aufbewahrt werden, falls es zu Reklamationen kommt.

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Quelle: ADAC

Quelle: ADAC

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