Glyphosat-Berichterstattung sorgt für Verunsicherung

10. März 2016

Dass die Medien häufig zu unnötiger Panikmache neigen, ist nichts Neues und auch nicht ungewöhnlich. Gerade im Fall von Glyphosat nahm dies aber in letzter Zeit stark überhand. Doch ist das Pestizid nun schädlich oder nicht? Die Meinungen klaffen dahingehend weit auseinander.

Glyphosat: Unbedenklich oder krebserregend?

Es gibt wohl kaum ein umstritteneres Pflanzenschutzmittel auf dem Markt als Glyphosat. Da im Sommer diesen Jahres entschieden wird, ob das Pestizid in der EU weiterhin zugelassen wird, häufen sich mittlerweile die entsprechenden Schlagzeilen. Von Muttermilch über Urin bis hin zum Bier soll Glyphosat mittlerweile überall nachweisbar sein. Gleichzeitig versuchen die Behörden, eine Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. Die Studien und wissenschaftlichen Einschätzungen klaffen mittlerweile jedoch weit auseinander. Während das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Glyphosat in geringen Mengen nach wie vor für unbedenklich hält, hat mittlerweile sogar der WHO seine Einschätzung überdacht und bezeichnet das Pflanzenschutzmittel als „wahrscheinlich krebserregend“. Zahlreiche Umweltschutzorganisationen wie etwa der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) stimmen der Einschätzung der WHO zu und lehnen die Wiederzulassung als nicht rechtens ab.

BUND und BfR liegen im Clinch

Der BfR hat mittlerweile eigene Studien vorlegen können, aus denen hervorgeht, dass kein Glyphosat in Muttermilch gefunden wurde. Die Mengen im Urin seien hingegen erwartbar und nicht schädlich, da das Mittel in geringen Mengen aufgenommen und schnell wieder ausgeschieden wird. Die Diskussion um den Glyphosatgehalt in Bier wurde als komplett absurd dargestellt, da ein Mensch für eine schädliche Menge Glyphosat 1.000 Liter Bier am Tag trinken müsse. Außerdem werde in der Diskussion vernachlässigt, dass Bier allein schon aufgrund des Alkoholgehalts krebserregend sei. Der BUND wirft dem BfR mittlerweile vor, in ihren Untersuchungen sehr stark der Pestizidindustrie in deren Einschätzungen zu folgen. Dass diese ihre eigenen Mittel verkaufen wollen und die Schädlichkeit daher sehr großzügig interpretieren, liegt auf der Hand.

Verbraucher sind schlecht informiert

Eine Entscheidung über die Wiederzulassung wird zumindest bedenklich sein, solange die wissenschaftlichen Meinungen über die Schädlichkeit so derart weit auseinanderklaffen. Eine Studie des BfR zeigt derweil, dass die meisten Verbraucher schlecht informiert sind. Ein Großteil nimmt trotz der aktuellen Debatte über die Wiederzulassung an, dass Pestizide in der Landwirtschaft gar nicht erlaubt seien. Die Mehrheit erinnert sich zudem an Berichte aus den Medien, aber nicht an das konkrete Thema der Beiträge. Allen Verbrauchern ist daher nur zu raten, sich selbst über das Thema Glyphosat zu informieren und sich nicht zu sehr auf einseitige Berichte in den Medien zu verlassen – ganz gleich, welche Position diese einnehmen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR); Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)

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