Ohrenschmerzen bei Kindern

04. Februar 2013

Drei von vier Kindern bekommen in ihren ersten Lebensjahren mindestens einmal Ohrenschmerzen. Eine Mittelohrentzündung ist vielfach die Ursache und die häufigste Krankheit, wegen derer Eltern mit ihrem Nachwuchs zum Kinderarzt gehen. Bei Säuglingen kann sie bereits im ersten Lebensjahr auftreten.

Unterschiedliche Ursachen

Ohrenschmerzen können in der Tiefe des Ohres, im Gehörgang, im äußeren Ohr oder in der Ohrmuschel auftreten und ebenso unterschiedliche Ursachen haben. Von einem harmlosen Ohrenschmalzpfropfen bis hin zu einer schweren Infektion kann es verschiedene Gründe für Schmerzen, Pochen oder ein Taubheitsgefühl geben. Erwachsene bekommen seltener Ohrenschmerzen als Kinder und Probleme treten häufiger am äußeren Ohr oder am äußeren Gehörgang auf. Mittelohrentzündungen sind hingegen seltener.

Besonders häufig zwischen dem 4. und 6. Lebensjahr

Mittelohrentzündungen und Ohrenschmerzen kommen besonders häufig zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr vor, da die Ohrtrompete bei Kindern so eng ist, dass sie schon bei kleinen Entzündungen zuschwillt. In Krippen und Kindergärten ist das Ansteckungsrisiko zudem besonders hoch. Erfahrungsgemäß häufen sich im Sommer – zur Badesaison – Fälle von Entzündungen im Ohrbereich, da Keime durch das Wasser einfach ins Ohr transportiert werden können und sich dort im feuchtwarmen Milieu vermehren. Aus einer harmlosen Entzündung des Gehörgangs kann so schnell eine Mittelohrentzündung werden.

Behandlung mit Antibiotika

Schon bei kleineren Kindern sind Ohrenschmerzen schnell zu erkennen. Sie sind weinerlich, reiben sich das betroffene Ohr oder schlafen auf der schmerzenden Seite. Ohrerkrankungen sind für die meisten Eltern ein Grund den Arzt aufzusuchen, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern. Jedoch ist eine Mittelohrentzündung auch bei Babys kein Fall für den Notarzt. Tritt bei Babys unter drei Monaten jedoch Fieber auf, sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Häufig werden auch bei Kindern Antibiotika verschrieben, obwohl in 40 bis 60 Prozent der Fälle Mittelohrentzündungen durch Viren hervorgerufen werden und diese somit nicht helfen. Das Risiko einer Antibiotika-Resistenz ist jedoch nicht zu vernachlässigen. Ärzte können eine bakterielle Ursache an der Rötung des Trommelfells, manchmal auch an austretendem eitrigen Sekret, erkennen. Auch bei einer viralen Infektion können sich zusätzlich Bakterien im Ohr ansammeln.

Entstehung einer Mittelohrentzündung

Bei einer Mittelohrentzündung entzündet sich der Teil des Ohres hinter dem Trommelfell, von wo aus die Ohrtrompete, die sog. eustachische Röhre, zum Rachen läuft. Diese belüftet das Mittelohr und gleicht den Druck zwischen Paukenhöhle und Außenluft aus. Auf diesem Weg können jedoch auch Krankheitserreger ins Ohr wandern. Wie in der Nase, kann auch dort die Schleimhaut anschwillen, sodass sich Sekret ansammelt und eine Entzündung entsteht. Im Zuge der Entzündung bildet sich Eiter, der großen Druck ausübt und im schlimmsten Fall das Trommelfell platzen lässt, sodass er, teilweise mit kleinen Mengen Blut, aus dem Ohr läuft. Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann den Druck auch durch einen kleinen Schnitt ins Trommelfell und Absaugen des Sekrets vermindern.

Behandlung mit Schmerzmitteln und Nasentropfen

Einfache Schmerzmittel wie etwa Ibuprofen oder Paracetamol können bei Ohrenschmerzen zur Linderung und Bekämpfung der Entzündung beitragen. Hierbei ist unbedingt auf eine altersgerechte Dosierung zu achten. Ist die Verbindung zwischen Rachenraum und Mittelohr nicht frei, beruhigen kurzfristig abschwellende Nasentropfen die Schleimhäute. Nasentropfen sind Ohrentropfen in jedem Fall vorzuziehen, da diese für Kinder wenig geeignet sind. Auch hier ist auf die kindgerechte Dosierung zu achten.

Hausmittel gegen Ohrenschmerzen

Eltern können ihren Kindern daheim mit Wärme Linderung verschaffen. Zwiebelsäckchen sind im Falle von Ohrenschmerzen ein beliebtes Hausmittel. Hierzu wird eine Zwiebel kleingeschnitten und auf einem Teller in der Mikrowelle handwarm gemacht. Anschließend wird sie beispielsweise in einen Waschlappen gegeben, der verschnürt und auf das betroffene Ohr gelegt wird. So angewendet lässt die Zwiebel die Schleimhäute abschwellen und nimmt den Schmerz. Auch die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe oder Traubenkernkissen können helfen.

Mögliche Komplikationen

Mittelohrentzündungen heilen häufig von selbst wieder ab. Im allgemeinen lassen die Beschwerden bei einem Großteil der Kinder innerhalb von zwei Tagen bis zwei Wochen nach. Bei einem schweren Verlauf, bei dem sich die Entzündung über einen längeren Zeitraum auf das Hörvermögen auswirkt, kann sich die Erkrankung vor allem bei Kleinkindern negativ auf die Sprachentwicklung auswirken. Daher ist besondere Vorsicht bei gleichzeitigem Fieber, Ohrgeräuschen oder gar plötzlicher Taubheit geboten. Bei häufig auftretenden Mittelohrentzündungen kann das Trommelfell vernarben, wodurch das Hörvermögen beeinträchtigt wird.

Empfindliche Kinderohren

Da Kinderohren besonders empfindlich sind, sind Vorsicht und sofern überhaupt möglich Vorbeugung sinnvoll. Nur der äußere Bereich des Ohrs sollte gereinigt werden und es dürften keine Wattestäbchen verwendet werden. Ohrenschmalzpfropfen müssen durch den Kinderarzt entfernt werden. Untersuchungen haben ergeben, dass Säuglinge, die in den ersten drei Monaten gestillt werden seltener eine Mittelohrentzündung bekommen. Werden sie Zigarettenrauch ausgesetzt oder bekommen sie zu häufig den Schnuller, ist dies eher schädlich.

Bild: Rainer Sturm/pixelio.de

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