Interview mit Gerhard Spannbauer

27. März 2013

Die Lage in Europa ist angespannt, ein Land nach dem anderen stürzt in eine finanzielle Krise. Die EU versucht dann mit Rettungsschirmen und anderen Mitteln, dem entsprechenden Land wieder aus der Krise herauszuhelfen, damit die Wirtschaft nicht zusammenbricht. Der aktuelle Fall betrifft Zypern.

Tagelang konnten die dortigen Bankkunden nicht mehr auf ihr Geld zugreifen, damit diese nicht sämtlich ihre Konten räumen, was für eine Bank das Aus bedeuten würde. Mittlerweile können sie wieder pro Tag etwa 120 Euro abheben.

Der Gedanke, dass sich so ein Szenario auch in Deutschland abspielt, ist leider überhaupt nicht unrealistisch, auch wir sind davor nicht gefeit. Gerhard Spannbauer, unter anderem Autor des Bestsellers „Finanzcrash – Die umfassende Krisenvorsorge“, hat dem ETM TESTMAGAZIN einige Fragen dazu beantwortet, wie sich Privatpersonen vor so einem Szenario schützen können.

1. Ersteinmal für die Leser, was macht Sie zum Finanzexperten?

Erklärung vorweg: Ich bin kein Finanzexperte. Ich bin ein ganz normaler Bürger und habe vor Jahren erkannt, dass unser Finanzsystem tiefgreifend zerstört ist und infolgedessen kollabieren muss. Aus der Erkenntnis heraus habe ich überlegt, was auf uns zukommt und wie man sich schützen kann.

Antwort: Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Finanzkrise und den damit verbundenen Folgen. Dazu habe ich ein umfassendes Vorsorgekonzept ausgearbeitet, mit dem man sich vor den gröbsten Folgen schützen kann. Meine Vorsorgetipps ähneln denen des Bundesamtes für Zivilschutz, nur dass ich die Größe der Herausforderungen mehr einbeziehe und einige Schritte weitergehe.

2. Inwieweit betrifft uns in Deutschland die Lage auf Zypern?

Das, was wir jetzt in Zypern – und vorher in den anderen Krisenländern – sahen, kommt mit einer zeitlichen Verzögerung auch auf uns zu. Trotz der wirtschaftlichen Stärke wird die Bundesrepublik von den Schulden und den umfangreichen Verpflichtungen für die Rettungsaktionen finanziell stranguliert und früher oder später überwältigt. Das ist eine mathematische Tatsache. Nur wird uns keiner retten, wenn es soweit ist, weil dann kein Geld mehr vorhanden ist. Eine Bankenschließung wie jetzt in Zypern ist auch bei uns jederzeit möglich. Ich empfehle jedem seit Jahren, einen Bargeldvorrat anzulegen. Sobald Banken geschlossen sind, treten Tage später die ersten Versorgungsengpässe auf und dafür sollte man individuell vorsorgen. Der Staat wird da nicht helfen können.

3. Wie kann man als Bürger so einer Krise entgehen und welche Vorsichtsmaßnahmen kann man treffen?

Dieser Krise kann keiner entgehen und jeder wird verlieren. Mit einer umfassende Vorsorge kann man die Verluste reduzieren und manche Notlage vermeiden. So kann jeder frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um seinen Arbeitsplatz zu erhalten. Ebenso finanzielle Verluste durch die Umschichtung seiner Geldanlagen vermeiden. Mit eigenen Vorräten ist jeder unabhängiger und kann Versorgungsengpässe überbrücken. Es ist einfach so, dass der Einzelne durch die Maßnahmen sicherer wird und der Zukunft beruhigter entgegensehen kann.

4. Wie lange hält so ein Krisenzustand ungefähr an?

Das kann leider keiner verlässlich vorhersagen. Es gibt einige Faktoren, die die möglichen Folgen unberechenbar machen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten verfügt kaum ein Haushalt über eigene Vorräte. Ebenso ist die Verschuldung und weltweite Verflechtung der Nationen größer denn je. Die Landwirtschaft ist kaum in der Lage unser Land zu ernähren und viele Industriekapazitäten wurden abgebaut und ausgelagert. Bricht der Im- und Export zusammen, entstehen zunächst enorme Lücken, die kurzfristig nicht geschlossen werden können. Wie schnell wir uns darauf einstellen können, erscheint unklar.

5. Wie erkennt man, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um solche Maßnahmen zu treffen? (Man solle ja auch mit Medikamenten vorsorgen. Doch viele haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum.)

Der richtige Zeitpunkt ist schon lange gegeben. Die weltweite Situation ist in Wirklich extrem angespannt und ein Zusammenbruch ist jederzeit möglich. In den letzten vier Jahren gab es einige sehr kritische Situationen und wir können von Glück sprechen, dass wir den Kollaps nicht erlebt haben. Sollte es zu massiven Einbrüchen kommen und beginnt eine größere Anzahl Menschen mit der Vorsorge, sind die wichtigen Ausrüstungsgegenstände sofort ausverkauft. Das sieht man regelmäßig bei Naturkatastrophen wie bspw. in den USA nach den Hurrikans. Sofort sind Kerzen, Trinkwasser, Decken etc. ausverkauft. Jeder der vorsorgen will, muss es jetzt tun. Bei einer Vorratshaltung kann man nicht vermeiden, dass das eine oder andere abläuft und entsorgt werden muss. Das ist der Preis für die Absicherung. Aber eine solche bezahlen wir alle mit diversen Versicherungsprämien.

6. Es wird ja des Öfteren dazu geraten, in Edelmetalle zu investieren, aber wie geht man in einer Krisensituation denn dann damit einkaufen?

Vorkommnisse wie die massiven Interventionen der Notenbanken (Gelddrucken) oder jetzt in Zypern, untergraben die Glaubwürdigkeit der Papiergeldwährungen sehr stark. Sobald die Anleger diesen Währungen den Rücken kehren, fällt der Wert massiv und wir erleben eine starke Inflation. Dann sind Szenarien denkbar, dass die Handelspartner dieses Geld nicht mehr akzeptieren und nach Tauschmitteln mit innerem Wert fragen. Das werden dann die Edelmetalle Gold und Silber sein. Sollte das eintreten, kristallisiert sich rasch ein Tauschwert einer Unze Silber oder Gold heraus und das wird dann der Wertmaßstab sein. Das Leben geht auch bei einem Währungszusammenbruch weiter und die Menschen finden dann rasch adäquate Tauschmittel.

Das ETM TESTMAGAZIN dankt für das Interview. Weitere Informationen zu dem Thema sind auch auf der Homepage von Herrn Spannbauer zu finden: www.krisenvorsorge.com

Foto: Michael Staudinger/pixelio.de

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