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Digitale Sprechstunden: Ersetzt ein Videocall den Arztbesuch?

22. Juli 2026

Zur Entlastung der Wartezimmer wurde 2017 die digitale Sprechstunde in Deutschland ausgebaut. Für Ärzte und Patienten eine gute Option, Zeit und Wege einzusparen. Möglich machte diese Entwicklung das E-Health-Gesetz von 2015. Aber ersetzen die telemedizinischen Angebote wirklich einen Besuch beim Arzt?

Überfüllte Praxen, Ärzte am Limit, genervte Patienten: Um die herausfordernde Situation in den Arztpraxen in den Griff zu bekommen und die Arbeitslast der Ärzte zu verringern, erweiterte Deutschland 2018 die Nutzung der digitalen Sprechstunde. Was bis zu diesem Zeitpunkt durch das Fernbehandlungsverbot unmöglich erschien, durfte nun ins Angebot der Ärzte aufgenommen werden. Eine schnelle und praktische Lösung, bei der Patienten Beratung erhalten oder Zweitmeinungen zu bestehenden Diagnosen einholen können.

Mit der deutlichen Lockerung des Fernbehandlungsverbots, welche laut dem ETM TESTMAGAZIN bereits im Jahr 2017 vom Ärzterat auf die Tagesordnung gesetzt und schließlich im Mai 2018 umgesetzt wurde, etablierte sich die Option der digitalen Sprechstunde. Am Anfang zögerlich, doch wissen Patienten mittlerweile das Angebot zu schätzen. Nach einem starken Anstieg während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Videosprechstunden zuletzt wieder gesunken, bewegt sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Wie zm online berichtete, dürfen auch Apotheken seit dem 1. Juli 2026 bundesweit assistierte Telemedizin anbieten.

Anbieter und Verfügbarkeiten prüfen

Dass sich der Gesundheitsmarkt immer stärker digital ausweitet, ist unbestritten. Telemedizin-Plattformen wie DocMorris, ZAVA oder Apomeds, ein digitaler Gesundheitsmarktplatz, stehen bei Nutzern und Patienten hoch im Kurs. Statt sich in der Apotheke in lange Warteschlangen zu stellen, können frei verfügbare oder verschreibungspflichtige Arzneimittel per E-Rezept digital ausgestellt werden. Doch während die Zahl der E-Health-Plattformen wächst, haben einige Anbieter digitaler Sprechstunden ihr Angebot in Deutschland bereits wieder eingeschränkt oder ganz aufgegeben.

Vertrauliche Anbieter von Videosprechstunden für Patienten in Deutschland werden von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gelistet. Hierbei gelten strenge Standards im Hinblick auf Datenschutz sowie Informationstechniksicherheit, die etwa durch den TÜVIT geprüft und zertifiziert werden. Dass sich einige Anbieter vom deutschen Markt wieder verabschiedet haben, liegt unter anderem an regulatorischen Hürden sowie an der Beschränkung der digitalen Sprechstundenanzahl. Zur Einführung der digitalen Sprechstunde lag die Grenze der zu behandelnden Patienten per Videocall bei exakt 30 % pro Quartal der Gesamtpatienten. Mittlerweile wurde diese Beschränkung gelockert und auf 50 Prozent zugunsten der Ärzte verschoben.

Dafür sind digitale Sprechstunden gut

Je nach Anfahrtsweg kann die Strecke zur Arztpraxis den Patienten viel Zeit kosten. Zudem rechtfertigen die möglichen Symptome, die es abzuklären gilt, diesen Aufwand an Planung oder Organisation nicht immer. Wiederum ist es richtig, bei Bedenken oder Unwohlsein eine Fachmeinung einzuholen. Wer eine Ersteinschätzung zu grippalen Symptomen oder nicht-akuten Beschwerden möchte, kann sich für eine digitale Sprechstunde anmelden. Selbst die Anpassung von Dosierungen für Medikamente oder das Begutachten von Heilungsprozessen an Narben sind über den Videocall möglich.

Ebenfalls sind Krankschreibungen per digitaler Sprechstunde erlaubt. Die aktuelle Diskussion, die sich auf den Wegfall der telefonischen Krankschreibung bezieht, gilt für diese alternative Beratungsmethode nicht. Derzeit erhalten Arbeitnehmer im Krankheitsfall eine AU (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) für bis zu 7 Kalendertage auch per Videocall, sofern sie Bestandspatient in der Praxis sind. Bei Neupatienten beträgt das Maximum 3 Kalendertage und Folgekrankschreibungen erfordern einen persönlichen Besuch in der Praxis.

Für kleinere Angelegenheiten oder Nachfragen erweisen sich digitale Sprechstunden als gute Ergänzung. Um beispielsweise zu klären, ob eine echte Influenza oder nur eine leichte Erkältung vorliegt, reicht diese Art der Sprechstunde aus. Für größere und akute Beschwerden bleibt der Praxisbesuch eine wichtige Notwendigkeit, die zum Wohl der eigenen Gesundheit zeitnah genutzt werden sollte.

Bildquelle

1. Bild von Online Marketing per Unsplash

2. Bild von Vitaly Gariev per Unsplash