E-Zigarette unter der Lupe

17. Februar 2012

Vielen sind sie sicherlich bereits aufgefallen: merkwürdige Stäbchen, die aussehen wie Zigaretten, aber doch keine sind. Menschen ziehen die kleinen stiftartigen Geräte aus der Tasche, blasen einige Dampfwolken in die Luft und stecken die vermeintliche Zigarette – zur Überraschung aller Beobachter – wieder zurück in die Tasche. Die Rede ist vom aktuellen Trend im Bereich der Rauchwaren: der E-Zigarette.

Aus Rauchen wird Dampfen

Grundsätzlich funktionieren E-Zigaretten nach dem Verdampfungsprinzip, ähnlich wie eine Nebelmaschine. Eine Flüssigkeit wird mit einer Heizspirale verdampft, der entstehende Dampf wird vom Konsumenten eingeatmet. Die Geräte verfügen in der Regel über einen Akkumulator, der regelmäßig aufgeladen werden muss. Verdampft werden so genannte Fluids – aromatisierte Flüssigkeiten in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, darunter so ungewöhnliche wie Redbull, Kakao oder Whisky, aber auch Fluide mit Tabakgeschmack sind erhältlich. Die Mehrzahl der Fluide enthält Nikotin. Das Design vieler E-Zigaretten orientiert sich an herkömmlichen Zigaretten, manche Modelle sind in Form und Farbe nahezu identisch mit normalen Glimmstengeln. Viele Geräte simulieren für das „echte“ Raucher- Feeling sogar eine Glut über eine LED in der Spitze der Zigarette.


„Gesunde“ Zigaretten?

Die Hersteller betonen gerne, dass „Dampfen“ wesentlich ärmer an Schadstoffen und damit gesünder sei, als normale Zigaretten. Richtig ist: es entstehen keine Schadstoffe wie Teer, wie bei der Verbrennung von Tabak üblich. Dennoch enthalten die meisten Fluids Nikotin, das erwiesenermaßen gesundheitsschädlich ist (siehe Info-Box). Studien belegen aber, dass im Dampf deutlich weniger Schadstoffe enthalten sind als im Qualm von Tabak-Zigaretten. US-Forscher werteten in einer Untersuchung insgesamt 16 Studien zu den Inhaltsstoffen von E-Zigaretten aus und ermittelten, dass im Dampf etwa tausendmal weniger krebserregende Stoffe enthalten sind, als im Qualm von (Tabak-) Zigaretten. Ein derzeit in den USA diskutiertes Verbot verurteilen die Forscher scharf: die E-Zigarette sei weniger schädlich als normale Zigaretten und somit eine Chance für Raucher, zumindest die aufgenommene Schadstoffmenge zu reduzieren, wenn schon nicht ganz aufgehört werden kann (oder will).


Unklare Inhaltsstoffe

Kritiker der E-Zigarette erwidern, die tatsächlichen gesundheitlichen Folgen könnten bislang nicht verlässlich beurteilt werden. Oftmals sei nämlich ungewiss, welche Inhaltsstoffe in den – meist in China produzierten – Fluids überhaupt enthalten sind und ob diese bei Langzeitkonsum eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Auch weisen Kritiker darauf hin, dass durch den momentanen Trend zur E-Zigarette Jugendliche zum Probieren animiert werden könnten. Die ersten Befunde weisen zwar darauf hin, dass die Verdampfer schadstoffärmer sind als Zigaretten. Die E-Zigarette deshalb als „gesund“ zu bezeichnen, scheint aber fragwürdig und ist wohl eher als Werbeaussage zu verstehen. Im Hinblick auf die Suggestion, etwas Gesundes zu sich zu nehmen – z.B. firmiert ein Hersteller von E-Zigaretten unter dem vielsagenden Namen „Vita- Smoke“ – sollte sich jeder Konsument vergegenwärtigen, dass allein der Nikotingehalt der Fluide ausreicht, um diese als gesundheitsgefährdend einzustufen.


Mythen und Legenden ranken sich um die E-Zigarette

Gerne preisen die Hersteller die EZigarette damit an, dass „Dampfer“ nicht denselben gesetzlichen Beschränkungen unterliegen wie Raucher, sprich: wo Raucher zur Abstinenz gezwungen sind, kann dank E-Zigarette angeblich ohne Reue los gedampft werden. Tatsächlich ist das Thema so neu, dass vielerorts noch keine eindeutigen Regeln zum Umgang mit „Dampfern“ festgelegt wurden. Mittelfristig ist aber zu erwarten, dass „Dampfer“ bald ähnlich behandelt werden wie Raucher. Entsprechende Regelungen werden nicht mehr lange auf sich warten lassen oder sind bereits getroffen worden. Das Verkehrsministerium der USA empfiehlt, den Gebrauch von elektrischen Zigaretten in allen Flugzeugen zu untersagen. Einige deutsche Gemeinden, wie z.B. Köln, haben bereits den Gebrauch der Verdampfer in Gaststätten verboten, und auch die Deutsche Bahn untersagt das Dampfen in ihren Beförderungsbedingungen.

Im Hinblick auf mögliche Folgen für etwaige Passiv-Mitraucher (z.B. durch Nikotin) sollte übrigens auch mit der EZigarette in der Öffentlichkeit Rücksicht auf Nichtraucher genommen werden.


„Stinkt trotzdem!“

Aber wo darf man die E-Zigarette nun rauchen und wo nicht? In einigen – freilich nicht repräsentativen – Selbstversuchen machten wir die Probe aufs Exempel. Dabei begegneten uns nicht nur fragende Blicke, sondern auch so manche Abfuhr. Überall dampfen dank E-Zigarette – denkste! Vor allem Gastronomen mit rauchfreien Etablissements zeigten sich wenig verständnisvoll für unsere Dampfwolken. Auf das Argument, es handle sich nicht um Rauch, sondern lediglich um Dampf, wurde uns mit einem herzlichen „stinkt trotzdem!“ die Tür gewiesen. Mehrfach ließ man uns aber unbehelligt dampfen, z.B. probierten wir die E-Zigarette auf dem Bahnsteig eines S-Bahnhofes aus. Ein Mitarbeiter des Verkehrsbetriebes schaute zunächst skeptisch, sprach uns dann zögerlich an, dass hier das Rauchen untersagt sei. Den Hinweis, es handle sich nicht um Rauch, sondern um Dampf, quittierte der Bahn-Bedienstete mit einem etwas ratlosen „Ach so!“ und ließ uns gewähren. Mitunter entwickelten wir übrigens eine diebische Freude, unsere Mitmenschen mit der E-Zigarette zu überraschen. Wer nämlich eben noch an der Zigarette zieht, nur um sie Augenblicke später mit einer gekonnten Bewegung in der Tasche verschwinden zu lassen, kann sich ungläubiger Blicke sicher sein.


Die Verdampfer auf dem Prüfstand

Mehrere Mitglieder der Redaktion mussten – respektive wollten – als Versuchskaninchen herhalten. Verwendet wurde das Modell „esmoker ES-504 T“ von „red kiwi“ (40-50 €). Die ES-504 T ist im Fachhandel erhältlich und soll gut für Einsteiger geeignet sein. Das Modell besteht aus einem Akku, einem Verdampfer sowie einem Tank für Fluids, der gleichzeitig als Mundstück dient. Im Lieferumfang sind fünf weitere Tanks bzw. Mundstücke enthalten – so können gleich mehrere Personen probieren. Der Akku wird über das mitgelieferte USBLadegerät aufgeladen, das an PC oder Notebook angeschlossen wird. Alternativ kann das Gerät via Adapter auch an der Steckdose aufgeladen werden.

Bezüglich der Akku-Laufzeit schweigt sich die knapp formulierte Betriebsanleitung aus. Angeblich soll der Akku für eine Tankfüllung ausreichen. Bei intensiver Benutzung unseres Probier-Teams leerte sich der Akku allerdings relativ zügig. Nach ca. 2 Stunden regelmäßiger Benutzung durch vier Personen war der Akku bereits erschöpft und musste wieder geladen werden, was zwischen 60 und 90 Minuten dauerte. Als Fluid kam „esmoker e-Liquid“ (ca. 6-7 Euro) in verschiedenen Geschmacksrichtungen (z.B. Tabak & Pfefferminz) zum Einsatz, ebenfalls aus dem Hause „red kiwi“. Dank der Pipettenflasche fällt das Befüllen der Tanks mit dem Fluid sehr einfach aus. Eine Füllung soll einer Menge von ca. 8-12 Zigaretten entsprechen, ein Fläschchen Fluid soll für insgesamt 25 Füllungen reichen. Nach dem Befüllen wird der Tank verschlossen und an das Gerät gesteckt.

Die Vorbereitung ist insgesamt kinderleicht und erfordert nur wenige Handgriffe: zusammenschrauben, Tank befüllen und anbringen – fertig. Nach einer kurzen Aufwärmphase von einigen Minuten ist der Verdampfer einsatzbereit. Das Bedienen von Tasten ist nicht erforderlich: Das Gerät erkennt, wenn am Mundstück gezogen wird und produziert automatisch Dampf. Dann leuchtet übrigens auch die LED an der Spitze, um die Glut zu simulieren. Zudem erhält der Nutzer durch die LED ein Feedback, ob das Gerät auch arbeitet.


Und was sagt der Raucher?

Unser Fazit: E-Rauchen ist ähnlich wie Rauchen – aber eben nur ähnlich. Wer hofft, mit der E-Zigarette den Geschmack seiner Lieblings-Zigarettenmarke erleben zu können, wird enttäuscht: das Tabak-Fluid schmeckt zwar nach Tabak, aber eben nicht nach verbranntem Tabak wie eine Zigarette. Keines der verwendeten Fluids schmeckte unangenehm künstlich, allerdings fiel das Aroma eher subtil aus. Das Pfefferminz-Fluid zeichnete sich durch eine schwache Minznote aus, die bei einer „Blindprobe“ durch drei Personen nicht als Pfefferminzgeschmack identifiziert wurde. Wer einen vollmundigen Geschmack erwartet, wird vom eher subtilen Aroma (zumindest im Falle der „esmoker“-Fluids) überrascht sein. Einige Probe-Dampfer empfanden das leichte, unaufdringliche Aroma als positiv – selbst ein Nichtraucher im Probier-Team beschrieb den Geschmack als „überraschend angenehm“. Andere Probe-Dampfer hingegen vermissten den Geschmack von verbranntem Tabak, den sie vom Rauchen gewöhnt sind.

Was aber beinahe allen Rauchern fehlte, war das Gefühl qualmgefüllter Lungen. Der Dampf ist nämlich vergleichsweise mild: auch wenn stärker gezogen, und dementsprechend mehr Dampf eingeatmet wird, entspricht das Gefühl während der Inhalation nicht dem typischen Gefühl des Zigarettenrauchens. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass viele Raucher wohl ungleich mehr Dampf einatmen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Angenehm hingegen: der Geruch des Dampfes ist vergleichsweise subtil und nicht annähernd so intensiv wie der Rauch echter Zigaretten. Die Nichtraucher in der Redaktion empfanden diesen als deutlich weniger unangenehm als Zigarettenqualm. Die Einwände des mäßig freundlichen Gastwirtes („stinkt trotzdem!“), in dessen Lokal wir die EZigarette ausprobierten, konnten wir daher nur bedingt nachvollziehen.

Abschließend muss an dieser Stelle noch ein Nachteil erwähnt werden, auf den auch Kritiker des E-Rauchens hinweisen: Die E-Zigarette ist niemals „aufgeraucht“, zumindest nicht, solange sich noch Fluid im Tank befindet. Ist Selbiger frisch befüllt, kann bis zu 160 Mal an der Zigarette gezogen werden (im Fall der ES-504T). Wird nicht beachtet, wie lange oder wie viel bereits konsumiert wurde, besteht das Risiko, dass die EZigarette deutlich länger gedampft, als eine herkömmliche Zigarette geraucht wird. Die aufgenommene Dampfmenge und folglich auch die Menge an Nikotin, könnten dadurch sogar höher ausfallen als beim Rauchen von Zigaretten.


Nikotinsucht ist und bleibt schädlich

Ob sich die E-Zigaretten dazu eignen, mit dem Rauchen aufzuhören, muss jeder für sich selbst entscheiden. Schenkt man den Einträgen in Internetforen Glauben, scheint es bereits einer beträchtlichen Zahl von Rauchern gelungen zu sein, dank E-Zigarette auf den Glimmstengel zu verzichten. Eine Garantie gibt es hingegen nicht. Viele Raucher dürften zudem mit dem Raucherlebnis nur mäßig zufrieden sein – ein echtes Zigaretten-Aroma bieten nämlich auch die Tabak-Fluids nicht.

Eine Empfehlung für Raucher, auf die E-Zigarette umzusteigen, können wir an dieser Stelle nicht guten Gewissens aussprechen. Erste Erkenntnisse lassen zwar schließen, dass durch das Ausbleiben einer Verbrennung die Schadstoffbelastung bei E-Zigaretten geringer ausfällt als bei ihren Pendants aus Tabak. Allerdings enthält auch die Mehrzahl der Fluids das gesundheitsschädliche Nikotin. Die Abhängigkeit besteht folglich auch weiterhin, nur die Art und Weise, den Suchtstoff zu sich zu nehmen, hat sich verändert. Letztlich sind auch die E-Zigaretten weder unbedenklich, geschweige denn gesund, wie einem die Werbung mancher Hersteller und Händler vermitteln möchte.

Kritische Stimmen mögen gar argwöhnen, dass der Boom der E-Zigarette nicht etwa einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein der Raucher geschuldet ist, sondern vielmehr einer geschickten Marketingstrategie der Hersteller. Die Mär von der gesunden Rauch-Alternative scheint sich angesichts der Stellungnahmen von Konsumenten im Internet bereits verbreitet zu haben: so mancher „Dampfer“ sieht sich nämlich dank E-Zigarette gänzlich von den Risiken des Rauchens befreit. Grundsätzlich sollte sich aber jeder vergegenwärtigen, der den Kauf einer E-Zigarette plant, dass es sich keinesfalls um eine „gesunde“ Alternative handelt. Allein das Nikotin ist und bleibt schädlich – ganz gleich, ob es als Dampf oder als Rauch in den Körper gelangt.


Nikotin: Ein potenter Killer

Nikotin ist ein Alkaloid, das in der Tabakpflanze und anderen Nachtschattengewächsen enthalten ist. Nikotin ist eine Droge und gleichzeitig eines der stärksten in der Natur vorkommenden Nervengifte. Die häufigste Art und Weise, Nikotin zu sich zu nehmen, ist das Rauchen von Zigaretten. Dabei gelangt es über die Schleimhäute in Blutbahn und Gehirn. Die Wirkung setzt schnell ein und kann sowohl anregend als auch entspannend sein. Das Stresshormon Adrenalin wird verstärkt ausgeschüttet, ebenso wie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin, die für das Empfinden von Glücksgefühlen verantwortlich sind. Der Herzschlag wird beschleunigt, die peripheren Blutgefäße verengen sich – in der Folge kommt es zu höherem Blutdruck. Kurzfristig führt die Ausschüttung von Hormonen und Neurotransmittern zu einer Steigerung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit – Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung werden erhöht. Auch wirkt Nikotin als Appetitzügler, und führt zu verstärkter Magensaftproduktion sowie einer erhöhten Darmtätigkeit. Eine karzinogene (krebserregende) Wirkung ist zwar bislang nicht bestätigt, allerdings zeigte sich im Tierversuch, dass die Gabe von Nikotin ein Anwachsen von Tumoren begünstigte. Nikotin ist giftig für Mensch und Tier, da es die Ganglien (Nervenknoten) des vegetativen Nervensystems blockiert – in höheren Dosen kann es dadurch zum Tode führen.


Rauchen: Gefährliche Sucht

Bei regelmäßigem Tabakgenuss stellt sich eine körperliche und psychische Abhängigkeit ein. Wird der Konsum ausgesetzt, kommt es zu Entzugserscheinungen, wie z.B. Kopfschmerzen, die bis zu 72 Stunden anhalten können. Die physische Entwöhnung von Nikotin erfolgt relativ zügig – bereits nach 2-3 Tagen ist es im Gehirn nicht mehr nachweisbar. Die Probleme langjähriger Raucher, sich den Tabakkonsum abzugewöhnen, sind daher eher psychischer Natur. Der Konsum kultiviert einen Lerneffekt beim Menschen: durch Nikotin wird das Verlangen nach Tabak erzeugt. Wird dieses Verlangen erfüllt, empfindet das Gehirn dies als Belohnung. Durch dieses erlernte, gewohnheitsmäßige Verhalten kommt es zu einem stärker werdenden Reiz-Reaktions- Intervall und infolge dessen zu einer Verstärkung der Abhängigkeit.


Laufende Kosten bei E-Zigaretten

E-Zigaretten werden gern mit geringen Folgekosten angepriesen. Tatsächlich sind die Kosten deutlich geringer als bei Tabak-Zigaretten. Wie lange ein Depot bzw. ein Fläschchen Fluid im Vergleich ausreicht, lässt sich an dieser Stelle aber nicht pauschal sagen, da dies von der EZigarette und dem Fluid abhängt. Beim Modell von „red kiwi“ soll eine Füllung ca. 8-12 Zigaretten entsprechen. Für eine Füllung sind ca. 0,4 ml nötig. Ein Fläschchen Fluid (10 ml, ca.7 Euro) entspricht somit etwa 25 Depotfüllungen. Umgerechnet auf Tabak-Zigaretten entspricht ein Fläschchen Fluid etwa 200–300 Zigaretten. Eine Stange Zigaretten (ca. 190 Stck.) kostet zwischen 45 und 50 Euro. Mit einem Fläschchen Fluid können im Vergleich zur Tabak-Zigarette zwischen 38 und 68 Euro gespart werden*. Rauchen Sparpotenzial?

*Alle Angaben sind ungefähre Werte, die im Einzelfall variieren können.

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