Patienten unzureichend über IGeL aufgeklärt

19. Juli 2016

Jeder, der häufiger im Jahr zum Arzt geht, wird schon einmal von den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gehört haben. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass auch bekannt ist, wie sinnvoll diese Sonderleistungen tatsächlich sind, wie die Ergebnisse des IGeL-Monitors belegen.

Zu wenig Informationen, kaum Bedenkzeit

82 Prozent der Versicherten ist IGeL mittlerweile ein Begriff und ganze 52 Prozent aller Patienten, die die Selbstzahlerleistungen angeboten bekommen, nehmen diese auch an. Dabei fühlen sich jedoch nur drei Viertel der Patienten ausreichend informiert. Das besagen die Ergebnisse des IGeL-Monitors, für den 2.149 Versicherte repräsentativ befragt wurden. „Für manche Facharztgruppe ist das IGeLn zum Volkssport geworden. Der IGeL-Markt boomt. Information und Aufklärung geraten in der Praxis dabei manchmal in den Hintergrund. Aus unserer Sicht sind die Ärzte gefordert, über Nutzen und mögliche Risiken der Selbstzahlerleistungen ausführlich aufzuklären“, sagt Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. Schrifliche Informationen und eine ausreiche Bedenkzeit sind daher nötig. Viele Patienten informieren sich momentan noch selbst. Die Website des IGeL-Monitors (www.igel-monitor.de) wird an normalen Tagen zwischen 1.000 und 3.000 Mal aufgerufen, an Spitzentagen sogar bis zu 45.000 Mal. „Anliegen des IGeL-Monitors ist es, das Informationsgefälle zwischen Arzt und Patient zu verringern. Die Patienten sollen als informierte Patienten entscheiden können“, erläutert Pick.

Viele Leistungen haben keinen Nutzen

Die Entscheidung zwischen Vor- und Nachteile der einzelnen Leistungen ist dann besonders schwer, wenn es nicht nur um die eigene Gesundheit geht. So werden viele Patientinnen durch das Angebot ergänzender Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft verunsichert. Schließlich möchte man für sein Baby nur das Beste. Der IGeL-Monitor hat genau diese Untersuchungen jedoch jetzt als „unklar“ eingestuft. Das bedeutet im Klartext, dass die zusätzlichen Untersuchungen zwar nicht schaden, nützlich sind sie jedoch auch nicht. Mittlerweile wurden 41 IGeL derart bewertet. Viele Leistungen halten nicht einmal einer wissenschaftlichen Bewertung stand. Beim Großteil ist keinerlei Nutzen erkennbar, im schlimmsten Fall, überwiegen sogar die Hinweise, dass die Leistungen den Patienten mehr Schaden als Nutzen. Wer Bedenken hat, sollte daher niemals spontan entscheiden, sondern sich immer zunächst ausführlich informieren. Die Seite des IGeL-Monitors bietet hierfür eine gute erste Anlaufstelle.

Quelle: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS)

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