Leicht-Lkw-Gespanne kippen auch leicht um

26. August 2016

Bei Stürmen gibt es immer wieder Nachrichten darüber, dass Lkw-Gespanne bis 12 Tonnen von Seitenwind erfasst und aus der Spur gebracht werden. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat daher ermittelt, ab welcher Windgeschwindigkeit es für die Gespanne kritisch wird.

Große Windangriffsfläche, geringes Gewicht

Leicht-Lkw-Gespanne sind seit 2005 vermehrt auf den Straßen anzutreffen. Bis zum Oktober 2015 waren sie nämlich noch von der Mautpflicht ausgenommen. Doch auch so bietet die Leichtbauweise den Speditionen zahlreiche Vorteile. So haben die Gespanne einen nur geringen Verbrauch und vergleichsweise niedrige Betriebskosten. Allerdings macht sie die große Windangriffsfläche bei dem nur sehr geringen Gewicht sehr anfällig bei Stürmen. Ein vollbeladener Leicht-Lkw ist immer noch gut drei Tonnen leichter als ein leerer 40-Tonner. So war es etwa möglich, dass allein am 31. März 2015 während des Sturms „Niklas“ in Sachsen-Anhalt 13 Lkw oder Anhänger umgerissen wurden.

Unfälle tauchen in Statistik kaum auf

Bei der Analyse der UDV war die amtliche Statistik allerdings wenig hilfreich. Hier taucht Seitenwind als Unfallursache eher selten auf; teilweise sind die Unfälle aufgrund ihres geringen Schadenswertes gar nicht aufgeführt. Eine ausführliche Internetrecherche ergab in dem entsprechenden Zeitraum gleich doppelt so viele Unfälle. Insgesamt lässt sich festsstellen, dass zwar nur zwei Prozent aller Lkw über 3,5 Tonnen Leicht-Lkw-Gespanne sind, dennoch sind sie viermal so häufig in Unfälle verwickelt wie andere Gespanne. Unfallorte sind meist Autobahnen und Landstraßen ohne seitlichen Bewuchs, die während Sturmtiefs besonders gefährlich sind. Für die Fahrer gehen die Unfälle allerdings meist glimpflich aus.

Bereits ab 55 km/h instabil

Zusätzlich hat die UDV 350 Computer-Simulationen bezüglich der Kippstabilität von Leicht-Lkw-Gespannen und 40-Tonnern durchgeführt. Die Leicht-Lkw-Gespanne kippen leer bereits bei 55 km/h (Windstärke 7), vollbeladen halten sie bis zu 74 km/h (Windstärke 8) stand. 40-Tonner werden hingegen erst ab einer Windstärke von 9 instabil, vollbeladen ist es sogar so gut wir unmöglich, dass die Gespanne umkippen. Aufgrund dieser Ergebnisse plädiert Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, dafür, den Leicht-Lkw-Gespannen bei entsprechender Wetterlage die Weiterfahrt zu untersagen. Außerdem sollten die ermittelten Informationen in den Programmen für Fahreraus- und Weiterbildung einfließen.

Quelle: Unfallforschung der Versicherer (UDV)
Bildquelle: hpgruesen/pixabay

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