Blitzermarathon in neun Bundesländern

22. April 2016

Am gestrigen Donnerstag fand bereits zum neunten Mal der sogenannte Blitzermarathon statt. Neun Bundesländer beteiligten sich dieses Mal. Die Wirkung, die die Aktion erzielen soll, wird jedoch nach wie vor angezweifelt. Experten sind sich uneinig, ob der Marathon tatsächlich einen Sinn und Zweck erfüllt.

Viele Bundesländer nehmen nicht mehr teil

Der Blitzermarathon wurde auch dieses Mal wieder groß angekündigt. An vielen Stellen wurden sogar Ort und Zeit der Blitzer angegeben, sodass selbst Gewohnheitsraser eigentlich nichts zu fürchten hatten. Doch welchen Zweck soll die Aktion dann eigentlich noch erfüllen? Prinzipiell soll sie den Autofahrern zu einer mäßigeren Fahrweise anregen. Dass dies tatsächlich der Fall sei bezweifeln jedoch immer mehr Menschen. Die Opposition hält schon lange nichts mehr von dem Projekt von Inneminister Ralf Jäger (SPD) und auch viele andere Bundesländer sind nicht mehr überzeugt, sodass dieses Mal lediglich neun teilnahmen. Hauptargument der Gegner: Eine positive Wirkung ist nicht feststellbar, sodass die Polizei gerade aufgrund der wachsenden Terrorgefahr schlicht Besseres zu tun hat, als den ganzen Tag am Straßenrand zu warten, dass die ein oder andere Person doch nichts von der groß angekündigten Aktion mitgekriegt hat.

Konkrete Schlüsse noch nicht möglich

Doch stimmt die Aussage wirklich? Hat der Blitzermarathon keine langfristigen Auswirkungen auf die Fahrweise von Autofahrern? Dies behauptet zumindest Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD): „Unser Ziel, die Zahl der Unfälle, Verunglückten und vor allem Getöteten nachhaltig zu senken, haben wir bisher mit dem Blitzer-Marathon nicht erreicht.“ Um dem auf den Grund zu gehen, hat der Verband für transparente Verkehrspolitik Europa die Unfallzahlen nach dem Blitzermarathon unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Noch lassen sich keine konkreten Schlüsse bezüglich der Effektivität ziehen.

Unangepasste Geschwindigkeit als Unfallursache nimmt ab

Nachdem am 18.09.2014 der Blitzermarathon stattgefunden hat, gingen die Unfälle deutlich zurück. Waren es im August noch 4.318, reduzierte sich die Zahl im September auf 3.905 und auch im Oktober blieb sie konstant. Nach dem Marathon am 16.04.2015 konnte jedoch genau das Gegenteil beobachtet werden. Die Zahl der Unfälle stieg von 3.468 im April auf 4.310 im Mai an. Eine konkrete Aussage lässt sich demnach noch nicht wirklich fällen. Allerdings sollte auch die Unfallursache beachtet werden. Für einen Anstieg der Unfälle ist eine unangepasste Geschwindigkeit nämlich nicht verantwortlich. Von 2012 bis 2014 fiel die Geschwindigkeit als Unfallursache; 2015 blieb sie konstant. Eine Sensibilisierung hierfür scheint also durchaus stattgefunden zu haben. Inwiefern der Blitzermarathon hierzu beigetragen hat, lässt sich allerdings nach gerade einmal vier Jahren schlecht feststellen.

Quelle: Verband für transparente Verkehrspolitik in Europa

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