Stauende besonders gefährlich

26. August 2016

Stau ist auf der Autobahn oft nicht zu vermeiden. Doch während das Stehen im Stau sehr an den Nerven zehren kann, ist das Stehen am Stauende sogar lebensgefährlich. Nicht selten kommt es vor, dass Lkw ungebremst ins Stauende rasen und für zahlreiche Tote und Schwerverletzte sorgen.

Ablenkung und Übermüdung häufige Unfallursache

Die amtliche Statistik des Jahres 2014 macht das Problem deutlich: 60 Prozent aller Unfälle mit Lkw als Hauptverursacher waren Zusammenstöße mit vorausfahrenden oder stehenden Fahrzeugen. Laut ADAC liegen die Gründe hierfür häufig darin, dass der gesetzliche Mindestabstand nicht eingehalten wird. Ablenkung und Übermüdung tun ihr Übriges, um die Situation weiter zu verschlimmern. Der gesetzliche Mindestabstand beträgt für Lkw, die auf der Autobahn schneller als 50 km/h fahren 50 m. Bei diesem Abstand bleiben dem Fahrer bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h zwei Sekunden zum Reagieren. In den meisten Fällen halten die Fahrer den Abstand jedoch nicht ein und aufgrund von Ablenkung und Übermüdung verlängert sich die Reaktionszeit noch einmal erheblich.

Notbremsassistent wird oft ausgeschaltet

Das Problem wurde auch bereits von der EU erkannt, sodass seit November 2015 alle neu zugelassenen Lkw mit einem Notbremsassistenten ausgestattet sein müssen. Bis alle Fahrzeuge aber tatsächlich mit solch einem System ausgestattet sind, dauert es allerdings noch Jahre. Ab 2018 sind die Notbremsassistenten dann auch für alle Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen Pflicht. Eine Nachrüstung ist allerdings nicht möglich. Die bereits ausgestatteten Fahrzeuge werden jedoch meist von den Fahrern selbst umgangen, indem sie das System ausschalten. Der Notbremsassistent verhindert nämlich, dass sie nah genug auf vorausfahrende Lkw auffahren können, wie es vor Überholvorgängen gängige Praxis ist. Auch eingeschaltet haben die derzeitigen Systeme jedoch kaum eine positive Wirkung. Sie müssen die Geschwindigkeit nämlich lediglich um 10 km/h reduzieren. Eindeutig zu wenig!

Mehr Kontrollen nötig

Der ADAC möchte daher, dass die Polzei ihre Verkehrskontrollen ausweitet und dabei vor allem ein Auge auf die Lkw wirft. Die Abstandsregelungen gehören ebenso wie die Lenk- und Ruhezeiten genauer überwacht. Der Notbremsassistent sollte außerdem nicht dauerhaft ausgeschaltet werden können und die Geschwindigkeit bei einem stehendem Hindernis um mindestens 40 km/h reduzieren. Selbst in diesem Fall hätte ein 40-Tonner jedoch noch die gleiche Energie wie ein 200 km/h fahrender Mittelklasse-Wagen, der ungebremst ins Stauende fährt.

Am Stauende Augen auf lassen

Auch Autofahrer können die Gefahr verringern. Erkennen sie einen Stau sollte das Warnblinklicht sofort eingeschaltet werden. Außerdem gilt es genügend Abstand zum Vordermann zu halten und den Verkehr im Rückspiegel genau zu beobachten. Wird die Gefahr auf diese Weise frühzeitig erkannt, kann so möglicherweise noch früh genug ausgewichen werden.

Quelle: ADAC
Bildquelle: ADAC/Martin Hangen

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