Muttermilch, Milchpulver & Co.
Wodurch zeichnen sich Pre-Milch, 1er-Milch & 2er-Milch aus?

25. März 2022

Ein Großteil aller Mütter entschließt sich nach der Geburt des Kindes dazu, demselben regelmäßig Muttermilch zu verabreichen, es also zu stillen: Schließlich enthält Muttermilch schon von Natur aus alles Wesentliche, was die Gesundheit des Kindes sicherstellen soll. Doch in manchen Situationen kann man dem Kind – auch wenn man es wirklich wollen sollte – keine Muttermilch zukommen lassen, vor allem wenn und weil die Mutter risikoreiche, bis in die Muttermilch hinein wandernde Medikamente wie bspw. Lithium einnehmen muss.1 Will man in solchen Situationen Gesundheits- & Wachstumsschäden des Kindes vermeiden, so muss man anstelle der Muttermilch Alternativen heranziehen. Mittlerweile ist dies äußerst simpel, hält der Handel hier doch schon allerlei verschiedene Milchpulver, liquide Milchportionen usw. vor. Viele Mütter, die zum ersten Mal ein Kind in die Welt getragen haben, werden regelmäßig ratlos vor der Masse an Muttermilchalternativen stehen: Von wann bis wann bspw. ist eine 1er-Milch zu verwenden und muss man eine solche vielleicht noch durch andere Mittel abrunden, um alle Ansprüche des Kindes voll abzudecken? Auch wenn manche der hier immer mal wieder zu lesenden Akronyme wie HA, SL usw. schillernd wirken, muss man sich nur die ein oder andere Minute ins Thema einlesen, um sich anschließend schon sehr viel sicherer orientieren zu können.

Milchpulver & Co. – was ist drin?

Vorab: Wodurch kann sich industrielles Milchpulver inhaltlich auszeichnen und wie wertvoll ist ein solches in Sachen Mineralien, Vitaminen usw. im Verhältnis zu klassisch-konventioneller Muttermilch?
Ein wesentliches Element von modernen Milchpulvern sind spezielle Fettsäuren in Gestalt von Long Chain Polyunsaturated Fatty Acids (LC-PUFA), die bspw. auch Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren einschließen. Wiewohl der menschliche Körper viele dieser Fettsäuren auch allein produzieren kann, ist dies alles andere als ideal – es handelt sich hierbei um einen außerordentlich anspruchsvollen und obendrein nicht sonderlich ersprießlichen metabolischen Prozess: Der Körper eines Kleinkindes kann, auch wenn man ihn in ausreichendem Maße mit Alpha-Linolensäure (Alpha-Linolenic Acid, ALA) – der biochemischen Basis dieses Prozesses, die bspw. reichlich in Leinöl enthalten ist – ernähren sollte, kein ausreichendes Maß an Omega 3- & Omega 6-Fettsäuren herstellen. Man muss sie also, wenn man das Kind nicht stillen sollte 2, anderswie supplementieren, bspw. durch Milchpulver.

Eine der hier wirklich wesentlichen Omega 3-Fettsäuren ist die Docosahexaensäure (Docosahexaenoic Acid, DHA): Bei einem Großteil der das menschliche Gehirn in allen Altersspannen ausmachenden Fettsäuren handelt es sich schließlich um DHA.3 Für das Wachstum des Gehirns und die Funktion desselben – das schließt bspw. auch und vor allem die Gedächtniskapazitäten ein – ist ein ausreichender Verzehr von DHA elementar 4. Doch all diese Qualitäten kann die Docosahexaensäure nicht allein, sondern nur im Verbund mit einer Omega 6-Fettsäure, der Arachidonsäure (Arachidonic Acid, AA), ausspielen. Auch sie ist von substanziellem Wert, kann sie die Funktionen der Docosahexaensäure in der Sphäre des Gehirns doch komplementieren und darüber hinaus auch noch dem Ausbau eines wirksamen Immunsystems dienen 5.

Doch so, wie sich die Ansprüche erwachsener Menschen in verschiedenen Lebensphasen und -situationen verändern, verhält es sich auch mit Kleinkindern: Diese Ansprüche sind in erheblichem Maße altersabhängig und ändern sich vor allem in den ersten Monaten des Lebens immer wieder. Das ist in Anbetracht des schnellen Wachstums, das sich in diesen Monaten vollzieht, auch nicht weiter verwunderlich. Bei der Wahl von Milch & Co. sollte man außerdem nicht außen vor lassen, dass manche Kleinkinder sensibler sind, also bspw. nicht mit dem in klassisch-konventioneller Milch enthaltenen Milchzucker auskommen. Hier muss man sich verschiedenerlei Alternativen ins Haus holen, um die Gesundheit auch eines solchen Kindes sicherstellen zu können. Wir stellen im Weiteren kurz und knapp vor, welche Milchen wann zu verwenden sind.

Pre-Milch

Ab der Geburt und bis zum Abschluss des 6. Monats ist es sinnvoll, dem Kind vornehmlich Pre-Milch zu verabreichen. Diese enthält – den Milchzucker an dieser Stelle ausdrücklich außen vor lassend – keinerlei andere Kohlenhydrate, die bspw. den Blutzuckerspiegel des Kindes anheben würden. Sie ist außerdem exzellent – sollte man sich hin und wieder doch am Stillen versuchen wollen – um die Muttermilch inhaltlich abzurunden.

1er-Babymilch

Während dieser Zeitspanne, also bis zum Abschluss des 5. oder des 6. Monats, lässt sich auch schon die 1er-Babymilch verwenden. Sie ist, vor allem weil sie einen höheren Anteil an Kohlenhydraten vorweisen kann, viskoser als die hiervor angesprochene Pre-Milch und kann dadurch auch den Appetit des Kindes wirksamer stillen. Man sollte sie regelmäßig aber erst nach dem Absetzen der Pre-Milch heranziehen.

2er-Babymilch

Daran anschließend, also nach dem Abschluss des 5. resp. 6. Monats, kommt schließlich die 2er-Babymilch, die noch allerlei mehr als die 1er-Babymilch enthält. So wird ihr bspw. eine vollkommen andere, die in diesem Alter schon höheren Ansprüche des Kindes voll abdeckende Eiweißkomposition verliehen. Sie ist außerdem nochmals viskoser und reicher an Kalorien, was in Anbetracht des immer weiter anwachsenden Kalorienverbrauchs des Kindes auch nicht verwunderlich ist. Während des Verdauens werden aber auch die Nieren des Kleinkindes, die noch sehr viel schwächer als die eines erwachsenen Menschen sind, stark beansprucht, weshalb man diese Milch nie vor Abschluss des 5. resp. 6. Monats verabreichen sollte.

Hypoallergene Nahrung

Kleinkinder, die schon durch die von den Eltern herrührende Genetik an einer ausgeprägteren Allergieneigung leiden, sollten ausschließlich mit spezieller Milch gespeist werden: Hierbei handelt es sich um HA-Milch, die all solchen Kindern zupasskommen kann, die bspw. aus den schon weiter oben angesprochenen Gründen keine Muttermilch erhalten können. Das ist bei Kindern mit einer solchen Allergieneigung ohnehin verdrießlich: Schließlich soll das regelmäßige Stillen mit Muttermilch die spätere Allergieausprägung an sich verhindern können.6 Die in HA-Milch enthaltenen Eiweiße sind so verarbeitet worden, dass der Organismus des Kindes sie von vornherein nicht mehr als einen Fremdkörper ansehen sollte, sodass sich eine überschießende Immunreaktion vermeiden lässt. Aber: Kleinkinder, deren Körper mit Milchzucker nicht auskommen, sollten keine HA-Milch erhalten, da diese regelmäßig aus milchzuckerreicher Kuhmilch besteht. Apropos Kuhmilch: Diese Milch sollte man Kindern nicht vor dem Abschluss des 1. Lebensjahres verabreichen, enthält die Kuhmilch doch nicht all das, was die Körper von Kleinkindern wirklich brauchen. Auch danach sollte man nur ab und an maßvolle Dosen verabreichen und kontrollieren, wie das Kleinkind mit der Kuhmilch auskommt.7

Spezialnahrung

Wesentlich außerdem kann Spezialmilch sind: Gerade solchen Kleinkindern, die Milchzucker vermeiden müssen, lässt sich SL-Milch verabreichen, die von vornherein kein ausgeprägtes Maß an Milchzucker vorweisen kann. Auch spezielle Milchen, die Kindern mit regelmäßigem Spuckreiz zupasskommen, sind mittlerweile in verschiedenen Varianten erhältlich.

Babykostwärmer im Test 2022

Einerlei ob man seinem Kind nun Pre-Milch, 1er-Babymilch, 2er-Babymilch oder spezielle Milchen wie bspw. HA-Milch oder SL-Milch verabreichen will: Man muss die einzelnen Milchportionen vorab immer bis zu einer maßvollen, milden Temperatur von circa 37 °C erwärmen, um so sicherzustellen, dass der Körper des Kindes die Milch in vollem Maße verdauen kann, ohne sie währenddessen – das würde schließlich wertvolle Kalorien kosten – noch anwärmen zu müssen. Will man die Milch immer wieder schnell, simpel und sicher vorbereiten, so verwendet man idealerweise einen modernen Babykostwärmer: Wir hatten in den letzten Wochen 7 verschiedene Babykostwärmer im Test – von Babymoov, Nip, Philips Avent & noch so mancherlei anderen Herstellern. Wie schnell die Modelle Milch erwärmen und anschließend weiter warmhalten können und welche Temperaturen derweil erzielt werden, lesen Sie in unserem aktuellen Babykostwärmer-Test!

Fußnoten

1 Vgl. Hotham, N. & Hotham, E.: Drugs in breastfeeding. In: Australian prescriber, Vol. 38, 5 (2015): S. 156 – 159 (hier).

2 Muttermilch enthält regelmäßig in ausreichendem Maße Omega 3-Fettsäuren, auch wenn deren Anteil von dem Omega 3-Fettsäuren-Verzehr der Mutter abhängig ist, vgl. Bzikowska-Jura, A. et al.: The Concentration of Omega-3 Fatty Acids in Human Milk Is Related to Their Habitual but Not Current Intake. In: Nutrients, Vol. 11, 7 (2019): S. 1585 (hier).

3 Vgl. Tassoni, D. et al.: The role of eicosanoids in the brain. In: Asia Pacific journal of clinical nutrition, Vol. 17, 1 (2008): S. 220 – 228 (hier).

4 Vgl. Horrocks, L. A. & Yeo, Y. K.: Health benefits of docosahexaenoic acid (DHA). In: Pharmacological research, Vol. 40, 3 (1999): S. 211 – 225 (hier).

5 Vgl. Hadley, K. B et al.: The Essentiality of Arachidonic Acid in Infant Development. In: Nutrients, Vol. 8, 4 (2016): S. 216 (hier).

6 Vgl. Macchiaverni, P. et al.: Allergen shedding in human milk: Could it be key for immune system education and allergy prevention? In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, Vol. 148, 3 (2021): S. 679 – 688 (hier).

7 Vgl. Borkhardt, A. & Wirth, S.: Verwendung von Kuhmilch im Säuglingsalter – Stellungnahme der Ernährungskommission der ÖGKJ (Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde). In: Monatsschreiben Kinderheilkunde, Vol. 162 (2014): S. 153 – 155 (hier).






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